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Chaostheory

Ich bin ein Mensch der allgemein hin nicht viel von strenger Ordnung hält. Jedenfalls in den meisten Fällen.

Ein übersichtliches und organisiertes Chaos ist mir sehr viel lieber als unüberschaubare Ordnung. Mein Leben ist ein Chaos, war ein Chaos und wird auch immer eines beleiben.

Ein einziger Tropfen Wasser verursacht schobn hektische Bewegung wenn er in stilles Wasser fällt, ich bevorzuge den Sturm, den tausende Tropfen nicht beeinflussen.

Ich bin die Chaostheory.

Van Lure.

Moderne Zeiten/ KirchenReform [FUN]

„Guten Tag!

Wollen Sie mit mir über Gott, ChartBuisness und die Welt sprechen?

Oh, nicht doch! Nein! Sehen Sie, ich habe den Fuß schon in der Türe. Wenn Sie sie mit Gewalt zuschlagen, brechen Sie mir das Bein – und im Namen der Wildecker Herzbuben, das wird teuer! Geben ist zwar seliger als Nehmen, aber wenn es darum geht die Hände aufzuhalten statt nur fromm zu falten, hat sich die Kirche noch nie geniert.

Also bleibe ich im Türrahmen stehen. Das kommt Ihnen billiger, denn die Kirchensteuer ist hoch genug…

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Der Papst hat die Vorhölle abgeschafft. Zugegeben, keine Neuigkeit mehr. Aber war das nicht ein Wink das die Kirche in Zukunft etwas moderneren Zeiten entgegen sieht?

Ich hätte da noch ein paar Vorschläge um den Glauben etwas aufzupolieren! – Nachdem sich Papa Razzi schon die VORhölle VORgenommen hat, könnten wir doch als Ausgleich noch die Stelle mit dem Himmel etwas modernisieren, oder meinen Sie nicht? Himmel – Hölle! Nach Redewendungen und endlos gehörten Lyrics mit Inhalten wie „auf Wolke 7„, „im 7ten Himmel“ oder die Frage die wohl auch den einen oder anderen nicht so keuschen Priester beschäftigen dürfte: warum schickst du mich in die Hölle?“, klingt das doch schon etwas abgedroschen.

Keiner will heute noch ernsthaft solche Kitschmusik hören. Ja, ich weis, SIE schon garnicht! Sie wollten ihren Sonntag auch weder in der Kirche noch mit mir an der Tür verbringen.

Aber hören Sie mir zu! Es war eben einfach alles nur schon 100ert mal da und ist bei Ihnen wie mir in das eine Ohr rein und durch das andere wieder entschwunden.

Worauf ich hinaus will? Seien Sie doch nicht so UNgeduldig! Lassen Sie mich lieber etwas weiter ausholen.

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Wie im Musikbuisnes braucht man neue Klänge, neue Ideen. Wer nicht mit der Zeit geht, verschwindet aus den Charts. Das hatgesottene Kirchenpublikum lechzt nach neuen Hits von den Beichtstuhllabels, im Sakristeistudio glühen die Köpfe vom Messwein um die Masse mit neuen Altarschlagern zu leutern, und in der ChurchmusicMetropole Vatikan arbeiten Darth Vader DJ DopePope & seine Backgroundpfaffen unter massieven Einfluss von zu viel Weihrauch an ihrem Comeback.

Um das kirchliche Mittelschiff also wieder in scheinheilger Manier zum Rocken zu bringen braucht es in diesem Fall etwas mehr als eine Höllenetage weniger.

Ich muss zugeben ich verstehe ebensowenig warum immer nur die Rede von der 7ten Wolke ist. Was ist an der 7 bitte so toll? Haben sie eine Ahnung wie viele Zahlen wir zur Auswahl haben? Die 1, die 2, die 12893478475 ? Warum also ausgerechnet 7? Man muss mit der Zeit gehen!

Und weil sich die Kirche leider nur millimeterweise bewegt, müssen wir wohl auch gleich hier den ersten Kompromiss eingehen. Von nun an schweben wir auf Wolke 69 8! …Was mich nun gerade zu der Vorstellung des Himmels als riesiges Stundenhotel bringt…

Auf einer einzigen Wolke 7 haben nie genug sich verlustierende Seelen Platz. Freier Gruppensex wird auch im Leben nach dem Tod nicht auf christliche Art legal und da sowieso alle Menschen gleichgestellt sein werden bleibt wohl nur eins übrig. Zieh eine Nummer von dem Automaten und stell dich hinten an!

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Weiter bin ich dafür das wir Petrus Wachtposten am goldenen Tor auflassen und das Tor aus den Angeln hebeln. Haben Sie die Goldkurse beobachtet? Damit hätten wir die Gage des Papstes auch wieder drin. Seine Gigs und italienesches Leder sind ja nicht unbedingt billig in diesen Zeiten.

Ja, ja… sündige Seelen aussperren und so weiter – schön und gut… aber jetzt mal ehrlich! Ich bin überzeugt, Sünder kämen garnicht so weit! Denn dazu bräuchten sie erst mal Flügel. Und wenn sie Flügel hätten wäre die Himmelspforte sowieso unnütz, denn sie können ja darüber hinweg fliegen.

Wollen Sie allen Ernstes in den Himmel kommen um sich hinter einem goldenen Vogelgitter einsperren zu lassen? Vielleicht haben sie bereits Urlaub im Ausland gemacht, wo man sich nicht von der Hotelanlage entfernen durfte weil die Straßen zu gefährlich waren. Kein Problem – sollte es so weit kommen können wir zur Beruhigung zur Rundumdieuhrverteidigung unsere Veteranen der Kinderkreuzzüge abstellen.

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Und wenn wir schon dabei sind, BibelTV könnte auch eine Generalüberholung vertragen. Ich habe mal über ein paar nette Konzepte nachgedacht. Was halten sie von „Beichtstuhlgeflüster (heute)“ – FSK18, für die wahren Hardcorechristen? Die Werbeblöcke enthalten zusätzlich ein farbiges Angebot von Online-Beichthotlines, Predigen nur zum Lauschen oder Kontaktanzeigen zum gemeinsamen Beten oder mehr im Teletext.

Nein? Moment! Ich glaube ich hab da noch was. Wie wäre es mit einem Programm für die ganze Familie. „[~insert Country~] sucht den SuperPapst“… Auch nicht? „Die Klostergirls?“…

Sie haben Recht, das können wir uns alles auch noch später überlegen. Vielleicht haben sie selbst ein paar gute Einfälle und verfassen ihre eingene 10 Gebote…“

Sprachspiel

Ich bin wiedermal in eigenartiger Stimmung, doch dabei sollte man meinen das genau die Stimmung es ist, die immer stimmt. Denn von wo hat sie denn ihren Namen? Wenn die Stimmung nicht stimmt, ist sie dann überhaupt eine Stimmung? Vielleicht doch eher eine Unstimmung? Eine kleine unbedeutende Unstimmigkeit in Anbetracht des Einzelnen, des Bruchteiles vom Ganzen, an dem sich Politiker im Bruchrechnen üben? Vielleicht das schon eher. Wen kümmert es, wenn sich das Sein um 3 Millimeter verschiebt. Oder 3 Zentimeter. Es fällt ja ohnehin nicht viel auf. Viel mehr fällt man auf die Fresse, sollte man das Gegenteil erwarten. Die 3 symbolisiert die heilige Dreifaltigkeit, groß genug um alle ihre Priester unter dem Rock zu verstecken. Und auch selber tragen sie Röcke, denn sie haben ja sowieso nichts in der Hose. Was sollten sie auch haben, dürfen sie es doch nicht benützen? Es ist schon schwer genug der Sünde zu wiederstehen, deshalb wage dich nicht an sie heran.

Die penetrante Depressivität des Altages raubt durch ihr Vorhandensein die Nerven. Doch die kann man ja über Bord werfen, die Nerven. Sie freiwillig weg zu geben ist besser als sie zu verlieren. Denn ein anderer könnte ja den Nerv finden und Unsinn anstellen. Aber aufpassen, das man nicht mit den Fingern in eine Nervensäge gerät, sonst sind sie ab. Das wäre doch schade, denn die 10 ist so eine schöne Zahl. Die 9 doch auch, nochdazu ist sie die Zahl der Weisheit. Und wer die nicht mit Löffeln oder anderem Besteck gefressen hat, sollte sich vielleicht den kleinen Finger abhacken um intelligenter zu werden. Wer weis? Keiner! Denn Wissen ist begrenzt. Jeder stößt an die Grenzen seines eigenen Universums, wenn es um das Wissen geht. Deshalb denken die Menschen auch nur anstatt zu wissen. Jedenfalls, ein paar von ihnen. Es sprechen zu viele Dinge gegen den Verstand, doch den muss ja kein anderer Verstehen, ist man doch nur dem eigenen Gewissen gegenüber verpflichtet.

Wie eine Kugel jagen Gedanken duch Köpfe, nur sind sie meist weniger ergebnisreich als eine Patrone. Diese findet schneller ihr Ziel. Und sie lässt sich nicht bei Seite schieben. Schuss. Es tut nicht weh, es geht ganz schnell wenn man es richtig macht. Schuss. Einfach stehen bleiben, nicht das man sich verzielt. Schuss. Etwas unterlegen nicht vergessen, denn der Teppich war teuer. Treffer sind gut fürs Geschäft. Sie sind auch nur Ziele, die es zu erreichen gilt. Das ist bei großen Konzern genau so.

Wie sollte man sein Geld auch sonst verdienen? Ist es doch so viel bequemer schneller als Gedanken zu schießen. Und für die Skeptiker malen wir viele bunte Bilder in das städtische Farbenmeer. Denn dies spielte schon im ältesten Gewerbe der Welt eine wichtige Rolle, das Bewerben. Und auch heute wird noch gut beworben, um dir deine Gefühle zu gestehen was du immer haben wolltest. Da Fragt sich wer, nach Sinn, doch denken verursacht nur Schmerzen und deshalb denkt heut keiner mehr.

Der Staat wacht mit Adleraugen über das Ameisenvolk, nein, mit Glasaugen. Denn die Kameralinsen sind überall. Irgendwann werden sie kommen und dich holen. Sie werden alle holen, denn der Weltuntergang wurde schon oft genug prophezeit, irgendwann muss er endlich da sein. Mit der Pünktlichkeit hat er es nicht so, das wissen wir schon, aber es heißt doch das Beste kommt immer erst zu letzt.

Also stellt den Sekt kalt, und nehmt nicht alles wörtlich.

 SVdL

Sonnenuntergänge

Wenn der Tag stirbt, sich zum Ende neigt

Malt sein Tod seine Geschichte als buntes Farbenmeer an den Himmel.

Jeder Tod, jeden Tages..

Einer schöner als der andere

Sodass man sie auf ewig bannen möchte.

Doch warum einen Sonnenuntergang auf Leinen bannen

Wenn keiner es betrachten will?

Warum auch?

Erlebt man doch jeden Abend Tod und Geburt schöner als zuvor

Direkt unterm Himmel, draußen vor der Tür.

SVdL

„Von der Phantasie Besiegt“ /Teil I

Ich muss anmerken das ich nicht wirklich in der besten Verfassung war. Es war einer jener typischen Wochen in denen man gern vor Langeweile das Zeitgefühl verliert. Der Stimmung nach befand ich mich in einem grauen Montag wobei mir der Kalender versicherte es sei Dienstag. Im Grunde nicht viel Unterschied. Genaugenommen nicht ein bisschen für mich. Zur Zeit waren eben alle Tage gleich und nichts, weder Arbeit noch persönliche Dinge waren von Belang. Man konnte es lebensmüde nennen, denn ich war müde. Weniger körperlich als geistig. Die nagende Leere in meinem Hirn drohte mir durch die Schädeldecke zu brechen und zweimal erwischte ich mich bei dem irrwitzigen Gedanken mit einer harten Wand dabei nachzuhelfen.

Es war eine endlos monotone Aneinanderreihung von sinnlos gelebten Momenten meines Lebens. Wäre mir nur ein halbwegs plausibler Gedanke gekommen, was ich mit der mir gegebenen Zeit Besseres anzufangen hätte, es hätte mich kein Sturm bremsen mögen. Mir fehlte nur jegliche Kreativität zum Leben – und der nötige Funke um die Lust eben auf jenes erneut zu entfachen.

So begab es sich, das ich bei der Erledigung der lebensnotwenigen Einkäufe von einem Ausverkaufsschild angelockt, in einen muffigen Antiquitätenladen stolperte, in dem die Luft vom alten Geruch vergilbter Bücher und hässlichen Möbelstücken – die wohl seit Jahrzehnten kein Besucher haben wollte – geschwängert war. Der Besitzer wollte den Laden aufgeben da er ihm nie das erhoffte Glück gebracht hatte und da er mir leid tat ließt ich mir einen alten foliant-artigen Ledereinband mit herausfallenden Seiten um ein halbes Pfund aufnötigen.

Wieder in meiner kleinen schäbigen Mietwohnung angekommen warf ich meine neuerworbenen Sachen erst einmal nur achtlos auf den Küchentisch – was eigentlich nur eine wurmstichige Holzplatte auf zwei Holzstützen war und mache mich endlich wieder im Schutz meiner kargen vier Wänden auf Zeit daran, mein ereignisloses Dasein weiter zu fristen.

Erst so gegen Abend drängte sich das zerfallene Buch wieder zurück in meinen Kopf und da ich dieser Tage nur recht wenig tiefgründige Gedanken hegte, schwirrte es mir von da an pausenlos durch meinen Schädel. Es schien mich geradezu magisch anzuziehen und trieb mich schließlich gegen Geisterstunde aus dem Bett in die Küche wo ich es Nachmittags unter Brot und Butter liegen gelassen hatte. Hier herrschte sowieso das Chaos. Beim Schein einer erbärmlich weit heruntergebrannten Kerze wuchtete ich es auf meinen Schreibtisch und starrte gebannt auf das brüchige Leder. Doch da es sich nicht aufregender Weise durch Zauberhand selbst aufschlug, musste ich nach eingehender Betrachtung des vielversprechenden Äußeren nach dem ersten Blick in das Innere feststellen, dass es vollständig in Latein verfasst war und kaum Illustrationen vorhanden waren. Frustriert dachte ich an meinen früheren Lateinlehrer der mir schon damals bei jeder Gelegenheit gesagt hatte ich sei auf diesem Gebiet ein hoffnungsloser Fall. Was mich in diesem Augenblick am härtesten niederschlug, war das es auch stimmte. Doch ich begann mich mit meinen geringen Sprachkenntnissen und einem alten Schulbuch hartnäckig durch die Nacht und Seite für Seite zukämpfen. Gegen Sonnenaufgang – etwa 6°°Uhr früh zu dieser Jahreszeit, hatte ich tiefe Furchen unter den Augen, sie schmerzten mir und ich war todmüde – aber seit Tagen zierte mein Gesicht zum ersten mal wieder ein Anflug von einem Lächeln. Der Inhalt bestand größtenteils aus blasphemischen Texten, verworrenen und veralteten Weltbildern und phantastischen Geschichten soweit ich verstand. Alles in allem eine recht ansehnliche Sammlung und ich brannte darauf weiter in die Materie einzudringen. Ich war außerstande alle Wörter zu übersetzen, einige Endungen bereiteten mir nach wie vor Kopfzerbrechen, auch nachdem ich den Sinn eines Absatzes bestmöglich entschlüsselt hatte und so beschloss ich mein dünnes Schullexikon baldmöglichst durch eine umfangreicheres Exemplar auszutauschen.

Der hallende Gong der Turmuhr hinter meinem verhangenen Fenster gemahnte mich jedoch zur Eile. Ich hatte die Zeit vergessen, ohne ihrer vorher bewusst zu sein, und war sowieso schon zu spät wegen meiner Arbeit dran. Noch lustloser als sonst begab ich mich in das kleine Büro Ecke Mall-Street 23 um meine Acht Stunden frühestmöglich dort abzusitzen und mich von wütenden Anrufern anbrüllen zu lassen.

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~Die Halle [Schritt um Schritt]

„Ich schlage die Augen auf. Befinde mich zu meinem eigenen Entsetzen in einer alten verwüsteten Halle. Einer Fabrikhalle? Trotz der Stille und Leere habe ich das Gefühl als wäre hier vor Kurzem noch emsig gearbeitet worden. Vielleicht nur Einbildung. Verstreutes Papier auf dem Boden, demolierte Gerätschaften deren Überreste am Eisengeländer der Treppen nach wie vor fest verschraubt sind und von der Decke hängen Ketten. Was am meisten irritiert ist die gläserne Trennwand in der Mitte des Raumes. Bei einem Blick in die Höhen hinauf verrät mir eine Spiegelung das die Hälfte bis oben hin mit Wasser gefüllt ist, somit dient das Glas wohl nur zum Schutz wozu- und für wen auch immer. Nichts bewegt sich dahinter, das Wasser ist vollkommen still. Nicht einmal die Glieder der Ketten verraten Bewegung im Wasser und doch ist mir ungut zu mute. Wie aus dem Nichts erscheinen drei Menschen. Der gehetzte Blick in ihren Augen spricht Bände, doch da ich nicht weis wo und warum ich hier bin trete ich offen auf die kleine Gruppe zu und versuche mit Rufen ihre Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Sie ignorieren mich – nein, ich „existiere nicht für sie“ wäre treffender. Als ob ich nicht anwesend wäre. Ich beginne zu begreifen das dies ein Traum sein muss, und ich bin der Beobachter. Deshalb beschließe ich mich in meine stumme Rolle zu fügen und mich ihnen zu nähern um zu verstehen worüber sie sich unterhalten. Sie sprechen nicht. Sie werfen nur gehetzte, ängstliche Blicke um her. Durch mich hindurch. Es ist ein merkwürdiges Gefühl Menschen so nahe zu sein und dennoch nicht hier zu sein. Selbst in bewussten Träumen.
Sie verschrauben wortlos ein elektronisches Gerät am Geländer, zwischen den anderen kaputten Gegenständen, von denen man nicht mehr sagen kann was es einmal gewesen war. Danach machen sie Anstalten die Halle zu verlassen. Ich will ihnen folgen, doch es besteht eine unsichtbare Traumgrenze die mich zurückhält und als ich alleine bin, kommen sie…
Eine größere Gruppe – eine Horde! – Menschen. Rennend, sich stoßend, fauchend auf das elektronische Ding zu. Daran zerrend, reißend – in Stücke reißend – abbrechend was nicht Niet und Nagelfest war und sich mit ihrer Beute rasch wieder zurückziehend.
Diesmal hält mich nichts zurück und ich laufe ihnen hinterher.
Sie toben durch die Gänge, stürzen sich stets alle zugleich auf das selbe Objekt, das sie – wäre es nicht an irgendeinem Punkt fest verankert – in der Luft zerreißen würden. Stoßen sich von einander in ihrer Hetzjagd weiter, rempeln, schlagen, geifern, grunzen – denn zu mehr Lauten sind sie anscheinend nicht fähig.
Wir erreichen wieder meinen Ausgangspunkt. Den Raum in dem ich erwacht war – oder eingeschlafen? Denn ich träume. Ich muss träumen denn das Szenario welches sich mir hier bietet, kann nicht – darf nicht real sein. Auf der anderen Seite der Glaswand befindet sich wie mir nun auffällt ein Kind. Ein totes, welches am Grund an einem Bein festgebunden im Wasser schwebt.
Ich bin zuerst zu erschrocken das ich nicht bemerke das die wildgewordene Horde plötzlich verschwunden ist. Umso mehr versetzt es mir einen Schock als sie von oben herab in das Wasser eintauchen und zielstrebig auf das Kind zuschwimmen. Es sind ihrer so viele das ich nichts mehr von dem Kadaver sehen kann, denn alles was ich sehe ist ein wirrer Knoten aus Gliedmaßen die Wasser treten und sich wie Frösche um ihr neues Opfer scharen. Als sie davon wieder ablassen, ist das Kind erstaunlicher Weise unversehrt – nur anstelle der Augen klaffen zwei schwarze Löcher, aus denen sich noch schwach eine hellrote Wolke ergießt und sich mit den Wassermengen schnell vermischt.
Mir ist speiübel, ich bekomme es mit der Angst zu tun. Versuche mich zu verstecken doch es spielt sich nur die erste Szene wiederholt ab: Eine kleine Gruppe montiert Dinge im Raum, die sogleich von der wütenden Masse kurz und klein GERISSEN werden.
Wieder und wieder bevor ich zu den Leuten die mir noch recht normal scheinen, durchdringen kann sind sie wieder verschwunden und die Anderen kommen zurück. Graben ihre spitzen, gierigen Finger in jede Vertiefung, umklammern jede Ausprägung, versuchen jedes noch so kleine Stück abzubrechen und verschwinden wieder so schnell wie sie gekommen sind.
Mittlerweile mache ich mir nicht mehr die Mühe sie zu verfolgen, denn sie kehren immer zum selben Schauplatz zurück. Was dazwischen war kann ich mir bereits denken. Sie jagen sich stoßend und rempelnd durch die Gänge, bis sie sich letztendlich wieder bei mir angelangt am nächsten Gegenstand vergreifen bis nur noch das festverschraubte Gewinde am eisernen Geländer zurückbleibt – welches sie mit Sicherheit auch zerstören würden, würden sie nur irgendeinen Weg finden.
Die kleine Gruppe kehrt wieder zurück. Als sie sich wieder daran macht neues Gut an einem höher gelegenen Geländepunkt zu verschrauben stürzt ein Mann hinunter und bleibt regungslos liegen. Ist er nicht schon tot, so wird er es kurze Zeit später sein, denn das mir inzwischen vertraute Poltern und Beben des Bodens kündigt bereits die nahenden menschlichen Raubtiere an, was die zwei Zurückgeblieben zur schnellen Flucht veranlasst.
Wie Parasiten fallen sie über ihn her. Als ich vom Schock getrieben auf sie zurenne und einige zurückreiße, fährt es mir durch Mark und Bein als meine Hände tatsächlich Materie anzunehmen scheinen und die unerwartet warmen Schultern berühren. Es ist zu spät um weg zulaufen, doch bevor sie mich als würde ich noch immer nicht existieren zurück stoßen um ihr Werk zu vollenden, sehe ich die Augen des noch Lebenden: Sie erinnern an Murmeln, die auf harten Boden gefallen sind, bei dem ein Stück abgesprungen ist. An einen trüben Film der sich über die Pupillen zieht, doch nicht wegzuwischen ist – denn er ist von stumpfen Nägeln in die Hornhaut eingeritzt. An ein schartiges Messer, welches die erste Schicht von dem Glaskörper geschabt hatte. Und er blickt zu mir, ohne sich zu wehren, denn der Sturz hat ihn gelähmt. Seit ich eingeschlafen bin – oder aufgewacht, ist er der einzige der mich bewusst ansieht.
Doch der Augenblick dauert nur wenige Sekunden, denn ich werde wie bereits erwähnt brutal zurückgerissen und weggestoßen.
Ich kann mich nicht bewegen. Ich stehe stumm daneben und starre auf die sich hektisch windenden Leiber.
Als sie seine Augen genommen haben wenden sie sich mir zu. Der Mann hat mich gesehen, ihnen meine Existenz verraten.
Und da kommen sie. Schritt um Schritt auf mich zu. Ich träume, ich lebe!… Schritt um Schritt. Ich lebe… Schritt. Ich lebe… Um Schritt. Ich will leben… Schritt.“