Die Sache mit der Ernährung II oder: Die Teilzeit-Diät

kochen ist krieg

Spätestens jetzt im Julie, wo der Sommer sich endlich von seiner besten Seite zeigt, sollte im Idealfall auch der Bikini sitzen. Trotzdem beschränkt sich die Diät-Saison nicht auf das Frühjahr, oder irgendeine Jahreszeit. Diäten gibt es zu jeder Zeit, jedem Anlass und sie sind vor allem massig vorhanden. Fast sind es schon eher ‚Ernährungsmethoden‘, denn jeder macht’s anders und jeder schwört auf etwas anderes.

Aber heute habe ich von einer Bekannten von einer neuen Diät erfahren, über die ich mir nach etwas Internetrecherche noch ein paar Gedanken gemacht habe.

Es ist die sogenannte 10in2 oder auch Teilzeit-Diät, bei der am einen Tag (1) ganz normal gegessen wird und am 2. nichts! (0).

Das wirft einige Fragen auf, denn einen ganzen Tag gar nichts essen, bzw. Essenspausen von etwa 36h könnte ich mir niemals vorstellen. Wenn ich abends nach Hause komme und mein Magen schon vor Hunger schreit, gehe ich auch auf seine Forderungen ein. Wenn nicht hat das Konsequenzen. Ich habe keine Lust zu reden, meine Hände zittern wie bei einem Alkoholiker, Stehen und Gehen ist anstrengend und mir wird richtig schlecht das ich meine kotzen zu müssen.

Das ich mir sowas niemals freiwillig antun würde steht also außer Frage. Fraglich ist dafür ob man andere für so ein ‚Durchhaltevermögen‘ bewundern oder eher bemitleiden sollte. Denn anstatt wirklich darauf zu achten was/wie viel man isst und ausreichend Bewegung wird hier auf die altbekannte ‚Hungerkur‘ gesetzt und damit verharmlost das man doch eh am nächsten Tag wieder Nahrung zu sich nimmt. Natürlich gibt es auch Anhänger dieser Diät die klarstellen das sie sich trotzdem auch an den Essenstagen gesund ernähren und bewegen, aber warum muss man dann dazwischen überhaupt hungern, außer für eine möglichst rasche (ungesunde) Gewichtsreduktion?

Die Antwort liegt angeblich in der Steinzeit, wo der Mensch auch nicht jeden Tag zu essen hatte. Unser Stoffwechsel soll also darauf ausgelegt sein Hungerzeiten einfach wegzustecken. Das es damals fürs Überleben vorteilhafter war einige Fettreserven mehr zu haben und die Lebenserwartung niedriger war als heute taucht in den ganzen klugen Texten im Netz natürlich nicht auf. Statt dessen ist die Rede von Versuchen mit Ratten, bei denen bei geringerer Ernährung die Lebensdauer und die Gesundheit im Labor erhöht werden konnte. Hier ist aber auch nicht die Rede von Futter- und Fastentagen, sondern allgemein weniger Nahrung. Täglich. Und außerdem: Sind wir Nagetiere? Was an Tieren funktioniert muss nicht für den Mensch genauso gelten.

Und wenn man schon mit der Steinzeitkeule kommt, sollte man lieber Lebensmittel, die damals nicht zum steinzeitlichen Ernährungsstil gehörten (wie Brot, Nudeln, Würstchen die mit Mehl gebunden werden) an den Pranger stellen.

Sport scheint aus meiner Sicht am Fastentag unmöglich. Denn davon bekommt man Hunger, die gequälten Muskeln verlangen nach Brennstoff um sie mit neuer Energie zu versorgen. Bekommen sie das nicht wird auch der Effekt entsprechend ausfallen. Selbes Problem in der Arbeit, denn auch die Konzentration leidet Hunger. Ich möchte dazu einen Satz aus einem Forum zitieren, das mit leider entfallen ist: Niemand erwartet von seinem Auto, das es ohne Benzin fährt, warum also von seinem Körper?

Natürlich gibt es auch die Spezialisten die dann eben keinen Sport machen. Weder am einen, noch am anderen Tag. Denn durch das Fasten – so die Illusion – verbrennt der Körper Fett. In Wahrheit beginnt er aber bei den Muskeln, jenen kleinen Helferlein, welche eigentlich die meisten Kalorien verbrennen. Das System wird auf Notstrom – auf Sparflamme – umgestellt und schraubt die Verbrennung zurück. Weiter verliert man besonders am Anfang viel Wasser, was eine Gewichtsabnahme aber nur vorgaukelt. Und wenn man wieder regelmäßig isst, lagert er das Fett ein für magere Zeiten. Wie in der Steinzeit eben, wo wir noch auf Modelmaße geschissen haben.

Stark übergewichtige Personen verbrennen ebenfalls zuerst Muskelmasse. Denn ob man es glaubt oder nicht – sie haben viel davon. Müssen sie auch um ihr Gewicht zu bewegen. Fett ist nicht nur in der Spüle verdammt hartnäckig. Und wenn man es doch schafft innerhalb ein paar Monaten 10, 20 Kilo runterzureißen… vielleicht noch schlimmer als der Jo-Jo Effekt: Die Haut ist kein Gummisuit der sich einfach neu anpasst. Von ‚hauteng‘ ist nachher keine Rede, denn im schlimmsten Fall hängen hässliche Hautlappen vom Bauch bis zu den Oberschenkeln. Oder ein schlankes Mädchen sieht auf den Hüften trotzdem wabbelig aus, weil die Haut zu groß ist. Brüste laufen Gefahr zu hängen und mit Bikini ist trotz idealem BMI noch immer nix. Der Chirurg ist wiedermal der einzige Ausweg das zu beheben.

Ein weiterer Aspekt ist das Familienleben, denn es machen nicht nur dicke Single-Girls Diät. Die Familie zu bekochen und/oder ihnen hinterher dann beim Essen zuzusehen, das Essen zu riechen stelle ich mir auch nicht sonderlich förderlich für das Beziehungsklima vor. Ungeklärt ist auch noch die Frage wie es nach der Diät weitergeht. Denn auch wenn man es Tage, Wochen, Monate durchzieht… Jahre klingen eher unrealistisch und irgendwann bricht man aus dem Muster aus. Sinn einer Diät ist auch, dass sie begrenzt ist. Wird danach statt an jedem 2. Tag wieder an jedem Tag normal gegessen, wird das Gewicht wieder steigen, weil der Magen plötzlich die Doppelte Portion bekommt. Einfachste Logik. Und jedem Schlaumeier, der mir jetzt vorrechnet, man kann ja die normale Ration halbieren und auf 2 Tage aufteilen, möchte ich entgegen halten „warum nicht gleich so?“

Wie wäre es mit gesundem Essen, Morgens, Mittags und Abends, jeden Tag, bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme und der einen oder anderen Genusspizza zwischendurch?

Van Lure.

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