Warum essen wir kein Pferdefleisch?

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Vornewg, ich will hier keine Disskusion über den Verzehr von Fleisch an sich. Anlass für diesen Post ist ein angeblicher Skandal um Irländische Lebensmittelläden, in denen (u.a?) Burger gefunden wurden, die zu ca. 20-30 skandalösen % aus Pferdefleisch bestanden. Darunter wurde auch schon bereits kommentiert, das dies ja sooo ekelig sei. Dabei fehlten die üblichen Vegetariereinwände, das es grundsätzlich falsch wäre Fleisch zu essen. Nein, alleine der Umstand das es sich nicht um Huhn, Schwein oder Rind, sondern um Pippis „kleinen Onkel“ und Co handelt, hat  schon Protest unter den Lesern ausgelöst.

Ich hingegen sage Fleisch ist Fleisch. Pferde wurden schon immer gegessen und ich denke das wird auch so bleiben, gibt es in Europa doch über 200 Pferdemetzgereien. Aber warum essen ‚wir‘, also die breite Allgemeinheit, eigentlich kein Pferdefleisch? Das Thema hat mich zumindest genug interessiert um ein paar Fakten für euch zusammen zu tragen.

Also hier für euch, die Geschichte des Pferdefleisches:

Nachdem Pferdefleisch schon in der Eiszeit ein beliebtes Nahrungsmittel war, wurde es auch nach der Domestizierung des Pferdes und dessen Verwendung als Reit- und Lasttier weiterhin gegessen, da es einen unverzichtbaren Fleischlieferanten darstellte. (Am Rande bemerkt wurden früher auch Kühe als Reittiere verwendet, was sie damals wie heute nicht vor der Schlachtbank schützt;) Von Mitteleuropa über Persien bis China wurde dieses Fleisch gegessen und auch jetzt findet man im deutschsprachigen Raum und Amerika viele Metzgereien die sich auf Pferd spezialisiert haben. Genauso gibt es noch Gerichte für die speziell Pferdefleisch verwendet wird, wie etwa den rheinischen Sauerbraten, bei dem das Fleisch zuerst mehrere Tage in Mariande eingelegt wird um es mürbe zu machen.

Meist wird es jedoch wie Rindfleisch zubereitet, da es diesem ähnlich ist, wenn auch zahrter (und schön mager). Ebenfalls darf man die sog. Pferdesalami und den Pferdeleberkäse nicht vergessen, der auch hierzulande angeboten wird.

Natürlich gibt es heute auch viele Organisationen die sich gezielt gegen den Konsum von Pferd einsetzen. In Amerika z.b. bewirkte die Vereinigung Stop the Horseslaughter das der Verzehr in einigen Staaten verboten wurde, nicht jedoch die Schlachtung an sich zur Herstellung von Knochenleim und Tierfutter. Dafür gilt die USA heute als größter Pferdefleischlieferant für den europäischen Markt. Ökonomisch aber kontrovers. Auch versucht man bereits ein Verbot für den Export – bzw. das Verschwenden einwandfreien Fleisches – zu erreichen…

Aber zurück zur Frage ‚Warum essen wir kein Pferdefleisch?‘

Die kurze Antwort lautet: die Kirche wars. Die korrekte Antwort lautet: 732 nach Christus sprach der damalige Papst Gregor der III ein Verbot aus Pferdefleisch zu essen. Und das obwohl auch die Römer selbst davon betroffen waren, wurde doch jeden Oktober das sog. Oktoberpferd geschlachtet um dem Kriegsgott Mars zu huldigen. Zu den Hintergründen für das Verbot gibt es verschiedene Theorien.

  • Zum einen wird vermutet, das man damit verhindern wollte das kampftaugliche Streitrösser auf der Schlachtbank landen und somit das Heer geschwächt wird.
  • Die andere Vermutung begründet sich auf der damals stattfindenden Christianisierung. Denn wenn Pferde geschlachtet wurden, so geschah dies bei heidnischen Völkern meist im Zuge einer rituellen Opferung (wobei das Fleisch anschließend gegessen wurde – also ähnlich wie auch bei den Römern.)

Einzig auf Island wurde der Verzehr des Fleisches ausdrücklich von der Kirche erlaubt, da es als Nahrungsquelle auf der Insel unverzichtbar war. Was auch eher zur Streitrossengpasstheorie passen würde.
Papst Gregors Nachfolger, Papst Zacharias* bestätigte das Pferdefleischtabu und Bonifatius (der von Gregor III  im selben Jahr des Verbotes zum Erzbischof Ost-Frankreichs ernannt wurde) verbreitete das neue Dekret**.

„Unter anderem hast Du auch erwähnt, einige äßen wilde Pferde und sogar noch mehr äßen zahme Pferde. Unter keinen Umständen, heiliger Bruder, darfst Du erlauben, dass dergleichen jemals geschieht. Erlege ihnen vielmehr um alles in der Welt eine angemessene Strafe auf, durch die Du mit Christi Hilfe imstande bist, es zu verhindern. Denn dieses Tun ist unrein und verabscheuungswürdig.“

– Schreiben Papst Gregors III. an Bonifatius

Doch dieses Gesetz konnte nie allzu erfolgreich durchgesetzt werden.

Die mittelalterliche Version des Tierverwerters verkaufte das Fleisch der alten, getöteten Pferde oft unter der Hand an die ärmere Bevölkerungsschicht. Auch sollen (wenige) deutsche Mönche auf das Fleisch zurückgegriffen haben. In dieser Zeit galt es somit eher als „arme Leute Nahrung“. In Kriegszeiten und in Hungersnöten avancierte es hingegen wieder zum Luxusgut.

Im 19. Jahrhundert erfolgte schließlich das Umdenken. Das Verbot fiel und man versuchte die Bevölkerung wieder zum Pferdefleischkonsum zu bringen. Gründe dafür waren einerseits die Armut der untersten Schichten, die sich kaum Nahrung leisten konnten. Auf der anderen Seite die schwer geschundenen, abgekämpften Kutschenpferde in den Städten, für die es keine Verwendung mehr gab. Man wollte den Besitzern ermöglichen ihre alten Pferde an den Fleischer zu verkaufen und somit eine weitere Nahrungsquelle zu schaffen.

Trotzdem haben sich bis heute die Vorbehalte gegenüber Pferdefleisch großteils gehalten, da ‚der Mensch‘ eine persönliche Beziehung wie auch zu Hund und Katze*** aufgebaut hat. Dabei wird allerdings außer Acht gelassen das diese beiden Tiergattungen als Raubtiere von ihrer Domestizierung an einen komplett anderen Stellenwert einnahmen und dem Menschen eine andere Art von Nutzen**** brachten, was eine engere Bindung zwischen Mensch und Tier begünstigte.

Heute findet man Pferdefleisch in Deutschland und Österreich selten, auch wenn die Nachfrage seit der BSE-Fälle wieder leicht angestiegen ist. In der Schweiz findet man es dafür häufiger. Auch im Goßhandel.

Und nun zu meinem Senf:

Ich verstehe die Einwände von Reitern nicht ganz. 1) wird bei Sport- und auch Hobbyreitpferden oft vertraglich festgelegt, das das Tier nicht und unter keinen Bedingungen geschlachtet werden darf. 2) eignen sich diese Pferde auf Grund möglicher vorangegangener medikamentöser Behandlungen so oder so nicht für den Teller.

Dafür gäbe es bei den Kaltblütern ohne den Fleischmarkt kaum noch Abnehmer, was zum Aussterben dieser (herrlichen und übrigens meiner liebsten) Rasse führen würde.

Grob ausgedrückt: Wir leben alle um zu sterben, Fleisch ist Fleisch und ich suche mir nun eine Pferdemetzgerei und schau ob ich nicht ein schönes Steak bekomme. Roasthorse kingt doch garnicht mal so schlecht, oder?;)

stay tuned!

Van Lure.

* damals hatten die Päpste noch geile Namen! Was haben wir jetzt? Paul, Johannes, Leo… Für kreative Namensgebung bei Jungen empfehle ich mal die Auflistung aller Päpste, wenns exotischer werden darf. Und das sag ich als Nicht-Christ sogar;)

** [Quelle Wikipedia: Ein Dekret (von lateinisch decernere, „beschließen“) ist ein von einer Regierung oder einem Staatsoberhaupt erlassener Rechtsakt, in der Regel in Form einer Verordnung oder Verfügung mit Gesetzeskraft.] Ein Verbot ist ein Gesetzt ist ein Dekret, sozusagen.

*** Katzen & Hunde wurden auch wärend des 2. Weltkrieges noch gegessen, weil Fleisch rar war. Quelle: die Cousine meiner Großmutter. Allgemein eignet sich das Fleisch von „Fleischfressern“ auf Grund seiner Beschaffenheit jedoch eher weniger zum Genuss.

**** Hund = Bewachen, Verteidigung, Jagd/ Katze = Hält das Haus von Schädlingen (Mäusen) frei.

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11 Kommentare zu „Warum essen wir kein Pferdefleisch?“

  1. Ja, in Wien soll es eine Pferdemetzgerei geben und den Leberkäs hab ich dort auch schon probiert;) Der ist wirklich nicht schlecht, aber ich tendiere dann doch eher zum käs-leberkäs;)

    Weist du zufällig ob man bei der Metzgerei auch andere Produkte (vom Pferd) bekommt? Ich komme aus OÖ und würde, wenn ich das nächste Mal nach Wien komme, und es sich ausgeht gern mal da hin.

    Lg, Van Lure

  2. *ggg* also mal wieder viel Wind um nix, und ich dachte immer Salami wird aus Eseln hergestellt, was ja auch ne Art Pferd ist, mal davon abgesehen hab ich auch schon Fohlensteak gegessen und des schmeckt wirklich vorzüglich….also das man Pferdefleisch ned isst halt ich eher fürn Gerücht und ne typische Tatsachen Verdrehung durch die Medien, gegessen wird ja eigentlich alles, warum dann nicht auch n Pferd?

    LG
    Xanthia

  3. Darauf woltle ich ja hinweisen. Dass das Fleisch zwar seit jeher gegessen wird, es in der Gesellschaft jedoch eher verpönt ist und viel Protest hervorruft;)

    Lg, Van Lure

  4. In vielen Ländern ist Pferdefleisch teurer als Rind. Was wohl daran liegt, dass Pferdefleisch oft qualitativ besser ist. Somit wurden die Burger in Irland doch eigentlich aufgewertet.

  5. „In Großbritannien stößt der Skandal auf geteilte Reaktionen. Einerseits ist die Empörung groß. Andererseits melden britische Spezialfleischlieferanten einen rapiden Anstieg bei der Nachfrage nach Pferdefleisch, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Offenbar sind viele Verbraucher neugierig geworden – und wollen einmal ausprobieren, wie Pferdefleisch überhaupt schmeckt.“
    (Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/verdacht-auf-pferdehack-lasagne-in-deutschland-a-883138.html)

    Der eigentliche Skandal ist doch, dass mal wieder allen bewusst wird, dass wir überhaupt eine Kontrolle mehr haben, was wir eigentlich essen (natürlich auf Fertigprodukte bezogen).

    1. Die Meisten Leute wussen zuvor warscheinlich nicht mal das man Pferd essen kann;)

      Ja, die falsche Ettikettierung ist natürlich eine Schweinerei. Aber jetzt auch nicht so schlimm als hätte man das in vegetarischen Gerichten gefunden. Das gäb nen Aufreger!;)
      Aber wer sich eine Fertig-Rindsroulade oder ne Lasagne um ein paar Euro kauft kann auch nicht die beste Spitzenquali vom Fleisch erwarten. Man kann warscheinlich froh sein das die Schlagzeile nicht lautet die Gerichte bestehen nur aus Schlachtabfällen.

  6. Pferdeskandal ist falsch, Etikettenskandal müsste man das nennen.
    Geh einmal in Wien in den 10.Bez auf den Viktor Adlermarkt zum Pferdefleischer Gumprecht.
    BESTER Leberkäse überhaupt. Lg.H

  7. Ich weis, ich wollte es nur etwas überzogen darstellen. Meistens wird doch nur viel Wind um nichts gemacht. Ettikettenschwindel, Ettikettenskandal, das ist schon eine gewaltige Schweinerei, aber nicht die Tatsache das es Pferd war, was gefunden wurde.
    Ich werde mir den Gumprecht merken und da mal hingehen. Dieser hat sicher nicht nur den Leberkäse nehme ich an? Auf jeden Fall vielen Dank für den Tipp!;)

  8. Ich verstehe die ganze Aufregung auch nur zum Teil und sehe es wie Helga: Etikettenskandal wäre die richtigere Bezeichnung.

    Denn an und für sich ist Pferdefleisch – wie du ja richtig schreibst – weder ungenießbar noch moralisch besonders verwerflich. (Ich meine, in Ostasien essen sie auch Hunde und Katzen, nicht wahr…)

    Was mich nur ein wenig mulmig stimmt an der Sache: Pferdefleisch ist per se normalerweise sehr viel teurer als Rind oder Schwein.

    Wenn es nun in den TK-Fraß von Billigstdiscountern hinein gemischt wird, stellt sich zwangsläufig die Frage: was fehlte dem Gaul, dass er völlig undeklariert als vermeintliches Rinderhack in einem Pfennigartikel namens „Lasagne Bolognese“ zermanscht wurde?

    Und der Verbraucher muß sich ganz allgemein selbst hinterfragen: wenn ein „Fertig“gericht beim Billigstdumpingdiscounter 1,99€ kostet, inklusive Steuern!, wieviel Wert auf wirkliche Qualität legt er dann?

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