1. kommt es anders und 2. als man denkt… Kategorie „dumm gelaufen“

Bereits als ich das Treppenhaus im Erdgesschoss betrete laufe ich dem Hausmeister über den Weg, der mir mit bedeutungsvollem Blick mitteilt das mein Chef schon im Haus ist. Hui, dachte ich bei mir, zurück aus dem Urlaub und schon wieder voll in der Materie vergraben. Das sieht ihm ähnlich.

Ich betrete das Büro fröhlich summend und gut gelaunt wie selten. Donnerstag, Donnerstag! Am Balkon meine ich zu Kollege Max, dass ich heute so gut gelaunt bin, dass sie mich bald erschießen werden wollen. Was für eine Ironie, gerade mal 30Minuten später will ich  mich selbst erschießen…

Aber zurück zum Anfang. Es ist Viertel vor 8 und das Telefon klingelt. Weil ich schon am Klingeln höre, dass es sich um ein internes Gespräch handelt,tippe ich mal auf Kollege Steve, einer der wenigen, die es wagen mich vor offiziellem Arbeitsbeginn schon zu belästigen.

Beim Abheben kippe ich schon mal mit der Telefonschnur mein Red Bull über die bereits feinsäuberlich zurechtgelegte Liste, über die ich mich ab 8 Uhr hermachen wollte. Shit. Am Tele erklärt mir Steve, es geht um Leben und Chef… äh Tod. Er hat gerade 2 Pläne für den Senior Rex an den Drucker geschickt und in 3 Minuten würde dieser die Pläne brauchen um sie auf einen Termin mitzunehmen. Okay, ein Notfall also. Das bedeutet Vollgas, statt zuerst meine Mails zu checken. Sind ja nur 2 Pläne. Alles easy…

Ich falte den ersten Plan, ich schneide gerade den zweiten als der Chef auch schon auftaucht. Durch seinen freundlichen Gesichtsausdruck ermutigt, lächle ich ihn an, wärend meine Hände wie automatisch das Papier durch die Luft wirbeln und meine noch ganz keck „Fersengeld am Morgen“. (bezüglich dessen ob das nun den Kummer und die Sorgen bringt oder vertreibt, habe ich mich nicht festgelegt, es sollte ersteres werden) Auch er ist guter Dinge und nickt mir zu.

Der 2. Plan ist fertig und es kommen schon die nächsten Pläne aus dem Plotter, sieht ja nach einem arbeitsreichem Tag aus! Als ich ihm die bestellten Stücke in die Hand drücke, frage ich mit einem Blick auf den Plotter noch zur Sicherheit nach ob er wirklich nur diese beiden benötigt, da ja noch was rauskommt. Er ist zufrieden mit dem was ich ihm gebe und bricht auf in einen Tag voller Termine. Ich habe die erste Hürde des Tages gemeistert und sage Chefsekretärin Anna bescheid, das die Luft rein ist.

Kollege Bammer ruft kurz danach an und fragt nach Plänen betreffend der Gemeinde Freistadt. Ich flitze zu den neu angekommenen Plänen. Nein, ist was ganz anderes, Freistadt nix da. Tut mir leid. Das kommt dem Kollegen zwar spanisch vor, weil der Jun.Chef sie ihm versprochen hatte, wird aber von mir kurzerhand ignoriert da ich jetzt auch nix deswegen machen kann. Es schlägt Punkt 8 und öffne erst mal den Outlook am Pc . 2 Mails vom Junior Rex trudeln herein. Aha! Der Betreff lautete „Pläne für Hr. Bammer“. Rätsel gelöst… oder doch nicht? Denn der Anhang fehlt und auch sonst liefern beide Mails keinen Hinweis wo besagte Pläne abgespeichert sein sollen weil komplett leer. Hmpf. Wie zum Henker soll ich Herrn Bammers Pläne plotten, wenn mir keiner ein File gibt? Und überhaupt! Mir am Vortag ne Mail schicken, wenn ich schon aus dem Büro bin, und die Pläne haben wollen, bevor ich wieder im Dienst bin… das klappt nicht so ganz. Naja, werd ich später fragen müssen wenn der Jun. Chef kommt. Indes kommt Herr Bammer einen Stock unter mir ins Schwitzen weil sein Termin bereits da ist und gern die Pläne hätte.

Da ich also in dem Fall gerade nicht helfen kann, richte ich zuerst die nächsten beiden Pläne her, die der Rollendrucker ausspuckt. Als ich den ersten gerade frisch geschnitten in die Höhe halte kommt Anna vorbei. Sie kneift die Augen zusammen und meint mit einen Blick auf den Plantitel „Ausführungsplan Wels… ist das nicht der, den der Chef braucht?“

Das Grinsen fällt mir runter, ich sehe sie wie vom Donner gerührt an „Nein.“

„Doch, doch, ich hab doch erst grad die Männer oben noch über Wels reden hören.“

„Neiiin.“ (In meinem Kopf zerbricht gerade eine Glasscheibe. *klirr*)

Danach durchlebe ich die 4 verschiedene Phasen des… Versagens: Leugnen, Frust, Angst und Panik. Ich rufe Kollege Steve an und schildere ihm die Katastrophe.

„Scheiße“ kommt es vom anderen Ende der Leitung.

„Fuck“ bestätige ich das Malleur.

Danach das vorhersehbare Geplänkel wie aus einer schlechten TV-Soap:

„Ruf ihn an.“

„Nein, ruf du ihn an.“

„Ich will nicht!“

„Ich auch nicht!“

„Ich hab Angst!“

„Ich auch!“

Ich ziehe die Arschkarte-.-

„Grüß Gott ‚mein Imperator‘, Van Lure hier. Ich habe den Verdacht Sie haben die falschen Pläne mitgenommen.“ (Nämlich die, von Kollege Bammer, der noch immer am Schwitzen ist weil er nicht weis, wo die Scheißteile gelandet sind.)

„Super“ vernehme ich es verwunderlicher weise relativ gelassen aus dem Hörer. Natürlich ist das alles andere als ’super‘ und man sollte sich nie durch vermeintliche Gelassenheit täuschen lassen. Allerdings ist er auch schon zu weit weg um umzudrehen. Waaaahhhh! Warum!!! Warum!!! Nagut, informiert ist er zumindest mal.

Jetzt gehts an die Schadensbegrenzung. Der Jun.Rex hat inzwischen das Bammer-Plan-Problem gelöst und die Pläne erneut abgeschickt. Die Mails die ich von Ihm erhalten hatte waren nur zur Info das eben jene Pläne für Hr. Bammer sind, die bereits bei  mir herumliegen hätten sollen als ich ins Büro gekommen bin.

Als ich mit den richtigen Exemplaren nach unten sprinte um wenigstens eine Sache wieder hinzubiegen finde ich neben Bammer und dem Termin-Herrn auch noch den Jun.Chef  vor, der natürlich auch wieder mal schon ALLES weis und mich schief angrinst. „Hast dem Chef die falschen Pläne mitgegeben?“ Es war keine Frage. Hmpf, die 2te.

Danach 2 Stockwerke nach oben geflitzt zu Steve um uns einen Schlachtplan zurecht zu legen. Im Endeffekt schaffen wir es besagte Pläne mit viel Brimborium in Einzelteilen gleich direkt an den Treffpunkt für den Termin des Imperators zu senden. Da kommt schon der nächste Tunichtgut daher. „Hast dem Chef die falschen Pläne mitgegeben“. (jaja, lach nur)

Es war ja wiedermal sooo klar das sich solche Sachen sofort herum sprechen. Insgesamt höre ich diesen Satz heute 5mal  und alle haben ihren Spaß daran. Mittlerweile kann auch ich schon wieder darüber lachen weil es im Grunde nur eine Verkettung wirklich, wirklich dämlicher Zufälle war und eigentlich keinen so richtig die Schuld trifft… außer vllt. den Imerator höchst persönlich, der sich die Teile nicht mehr angesehen hat, bevor er sie in seine Tasche gestopft hat, denn wenn man weis welchen Plan man braucht, sieht man schon von weitem das es die falschen waren.

Zum Abschluss des Dramas kippe ich die selbe Dose Red Bull nochmal über die selbe Liste auf meinem Tisch und kann mich endlich an die Arbeit machen, die ich mir für heute vorgenommen habe… klatsch nass und mit süß-klebrigem Aroma.

Aber ‚wir‘ wissen jetzt schon, morgen wirds noch genug Witze seitens des Sen. Rexes auf meine und Steve’s Kosten geben. Wenigstens ist bald Wochenende.

Euer geplagtes Office Girl

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