Sweeney Todd – Landestheater Linz

bühne

Hallo alle zusammen!

Es ist doch mal wieder ein Post fällig und was würde sich besser als Thema eignen als ein kurzer Bericht über die Linzer Version von Sweeney Todd, die ich mir 4ten Oktober angesehen habe.

Wie immer, gebe ich hier meine eigene Meinung zum Besten, sollte jemand etwas dazu zusagen haben, kann er diese gerne in Form eines Kommentares tun. Wer jedoch meint er weis hier alles besser, hat er das Lesen meines Berichtes sowieso nicht nötig. Es ist nicht meine Absicht etwas falsches zu Behauten oder jemanden vor den Kopf zu stoßen.

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Also beginnen wir bei der Bühne. Ohne den Einsatz der Drehbühne musste das gesamte Stück ohne großartigen Wechsel der Kulissen auskommen. Das Bühnenbild symbolisierte eine Karge Umgebung mitten in London. Die Wandverkleidung vermittelte den Eindruck von grauem Metall.

Die einzelnen Orte an denen das Stück spielt, wie Johannas Zimmer, der Salon des Barbiers, Mr. Lovets Meatpieshop oder Pirellis kleiner Laden befinden sich ohne Abteilung in den verschiedenen Ecken der Bühne.

Die instrumentale und gesangliche Begleitung wird gleichzeitig auch von den Darstellern übernommen. So wird zum Beispiel der Bogen des Chellos(?) zum Gehstock des Büttels Bamford, während er sein Instrument  manchmal durch die Szenen mit sich trägt.

Für die Inszenierung wurden sämtliche Lieder in deutsche Sprache gekleidet. Dessen Umsetzung war für mich als Liebhaber der Filmmusik von Stephen Sondheim besonders interessant. Die Texte passten übersetzt mal exakt auf die Filmversion, mal musste man sich aufgrund einfach unreimbarer Wörter anderweitig aushelfen.

Die Kostüme passten Angesichts der zur verfügungstehenden Mittel sehr gut in das Konzept. Besonders die hohen Stiefel und schwarze Kleidung der Rolle des Sweeney Todd fand ich als sehr gut passend.

Was mir auch noch auffiel war die Lichttechnik – also die „Beleuchtung“ der Szenen und einzelnen Akteure, doch an der hatte ich beim Landestheater ja noch nie etwas auszusetzen.

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Leider gab es auch ein paar Kleinigkeiten die mir weniger gefielen. Da wären in erster Linie die Darstellungen der Sterbeszenen auf dem Rasierstuhl, welche mit einem lauten, schrillen Pfeifton/Schrei der für das menschliche Gehör schon als grenzwertig zu bezeichnen ist, und einer in stechend rotes Licht getauchter Bühne sybolisiert wurden.

Nach dem Ableben des Opfers, wurde diesem ein weiser Kittel angezogen und zurück zu seinem Instrument gesandt, was auf mich etwas kurios wirkte, da sich der Darsteller immer direkt nach seinem Tod wieder erhob um in den Hintergrund zurückzukehren und weiter musikalisch mitzuwirken. – Es ist auch nicht leicht eine andere Umsetzung zu finden.

Weiters hat mir auch der Openingsong über Sweeney Todd selbst nicht besonders gefallen, da er in meinen Ohren zu abgehackt klang und atmosphärisch nicht zu den restlichen Stücken passte.

Noch etwas, was nicht recht passen wollte, war Todds Brief an Richter Tulpin, der mit einem kirchlich-choralen Touch von den Darstellern gesungen wurde. Diese Szene passte in dieser Form leider überhaupt nicht hinein und wer den Film nicht kennt, verliert schnell den Überblick.

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Natürlich gäbe es noch viel mehr an der Vorstellung herVorzuheben, doch statt dessen möchte ich nun meine Endwertung abgeben.

Trotz ein paar Kleinigkeiten ist die Linzer LandestheaterVersion wirklich sehenswert. Das Stück macht Spaß und ist spannend. Jedoch empfehle ich auch den Film anzusehen, denn wer den nicht gesehen hat und vielleicht auch nicht unbedingt ein Programmheft zur Hand hat kann eventuell den Faden verlieren.

Das Stück ist also nicht nur mitreißend sondern erfordert auch die volle Aufmerksamkeit des Besuchers. Darum gibts von mir als Note eine 8,5.

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Ich würde mich auch über die Schilderungen anderer Besucher freuen, also nur zu;)

Nun denn,

ein schönes Wochenende also;)

Van Lure.

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9 Kommentare zu „Sweeney Todd – Landestheater Linz“

  1. Also ich fand diesen sweeney todd in linz phantastisch. allein die übersetzung ist genial und die tatsache, dass die schauspieler auch noch chor und orchester sind ist überwältigend gelöst. die bühne, die gleichzeitig irrenhaus, fleischerladen uv. mehr sein kann passt genauso gut in dies tolle inszenierung wie die kostüme, die mich an den „life ball“ erinnern.
    karl sibelius hat wieder einmal bewiesen, dass er ein genialer, verrückter theatermacher ist. natürlich kein „musical“ für die breite masse, kein „main stream“, aber gerade deshalb was ganz besonderes und unbedingt sehenswert. 10 punkte

  2. @klaus

    ich bin auch ein fan von sibelius inszenierungen. du hast schon recht das das musical vielleicht nichts für die breite masse ist. es war auf jeden fall nicht nur thematisch 180° anders als die umsetzung von la cage aux folles letztes jahr. vielleicht habe ich sweeney todd zu sehr damit verglichen. aber vielleicht wäre aus dem stück auch noch mehr herauszuholen gewesen;) aber das tut dem nicht wirklich einen abbruch.

    ich gehe mal davon aus das du auch den film gesehen hast, bzw. vllt ein programmheft hattest.
    darum aus neugirde meine frage:
    stell dir bitte kurz vor du würdest das stück sehen ohne jegliche info zur handlung, würde es dir eher schwer fallen den überblick zu behalten, oder leicht?

    die aufführung fordert ohnehin volle aufmerksamkeit, aber ich würde sagen das ich mir etwas schwer getan hätte, wenn ich vorher keine info gehabt hätte.

    lg, van lure.

  3. die handlung ist doch sehr schlicht und ich glaube gerade, weil der Regisseur das Stück nicht ganz geradlinig erzählt hat, ist dieser abend so spannend.

  4. naja, schlicht würde ich die handlung nicht nennen.
    als todd zb das erste mal auf mrs lovett trift stellt „johanna“ im hintergrund zur verdeutlichung der geschehnisse ihre mutter da, am ende des stückes kommt auf das die bettlerin die mutter war, indem sich diese wiederrum als „vision“ (mangels eines besseren begriffes) vor johanna stellt.
    und während der szene des liedes „i feel you johanna“ liegt der seemann auf der bettlerin. O.o

  5. ja, aber gerade diese „irrwege“ finde ich interessant, normal ist dieses musical nämlich ziemlich schlicht gestrickt. die musik ist sowieso toll. aber was sibelius daraus gemacht hat ist einfach unglaublich phantasievoll. seine beste inszenierung. finde ich

  6. naja, welches musical (jetzt allgemein) würdest du als sehr kompliziert bezeichnen, wenn dieses „schlicht gestrickt ist“.
    welches jetzt sibelius beste inszenierung ist können wir uns ewig streiten :)
    sweeney todd – sicher sehr phanasievoll, aber ich denke manche szenen konnten wegen der größe und beschaffenheit der bühne nicht anders umgesetzt werden, auch wenn nach einer anderen lösung gesucht worden wäre.

  7. naja, ich hatte auch auf eine begründung gehofft. naja egal.
    meine lieblingsfiguren sind der richter (wegen seiner gestalt und dem kontrast zu der hellen stimme), der büttel (wegen dem stil) und todd (wegen der ernsten depressiven rolle… und dem kostüm;)

    was ich noch einwerfen wollte, das stück ist sicherlich eine der düstersten inszenierungen sibelius.

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