Fetisch: Amelotatismus/Apotemnophilie/BIID

Ah! Guten Abend!

Schön das ihr euch wieder hier eingefunden habt. Ich wurde heute in meiner Arbeit mit einem sehr interessanten Thema konfrontiert… na gut, was heißt schon konfrontiert. Ich habe eine Geschichte vernommen, eine Tatsache, in der Amelotatismus eine Rolle spielt. Und was Amelotatismus bedeutet, das sollt ihr gleich erfahren… und einige bis alle könnten eventuell etwas shockiert sein.

Amelotatismus, griech. a= „ohne“, melo= „Glied“, tasis= „Zuneigung“. Auch als Akrotomophilie, Amputophili, Amelotasis oder Deformationsfetisch bezeichnet.

Oh, keine Angst, Männer! Keiner redet davon euch schon wieder an die Eier zu gehen!

Bei diesem Fetisch handelt es sich lediglich um die Bevorzugung von Partnern mit fehlenden Gliedmaßen. Arme, Beine,… Manchmal wird darunter auch eine Vorliebe für Missbildungen, Lähmungen oder andere Behinderungen verstanden. Man findet es erotisch und ist hauptsächlich eine sexuelle Vorliebe.

Das Thema gehört zu einen der härtesten Tabuthemen, geschweige denn das die meisten Menschen überhaupt schon mal davon gehört haben. Diese Art Neigung kann unabhängig von der Sexualität bei beiden Geschelchtern auftreten und ist nicht so selten wie man meinen könnte. Natürlich wimmelt die Welt nicht von einer Art „Krüppelgeilen-Perverslingen“. (Entschuldigt die Wortwahl, aber ich habe diese Bezeichnung gewählt, da die meisten Menschen, solche Leute mit dieser Vorliebe wohl eher als solche bezeichnen würden.)

Es handelt sich – und ihr werdet darüber shockiert sein – um das Selbe, als wenn jemand nur auf Blondienen, Dicke, Dünne, Große, Kleine, Tätovierte, Gepiercte, Langhaarige, etc… steht. Eine Wissenschaftliche Erklärung für diese Neigungen ist bislang nicht gefunden. Es wird aber heftig spekuliert und gerätselt.

Ja, so ist es nun mal. Amputierte haben oft Probleme damit wenn sie mit diesen Thema konfrontiert werden, – was durchaus verständlich ist – da manche der Meinung sind, sie würden auf ihre Stummel reduziert. Es gibt jedoch auch durchaus glückliche Paare, in denen der amputierte Partner sehr wohl um die Vorliebe des anderen weis und dies akzeptiert.

Apotemnophilie hingegen bedeutet eine sexuelle Erregung durch Selbstamputation. An sich selbst – um das deutlich zu machen.

Dann gibt es noch „BIID“ (Body Integrity Identity Disorder)

Menschen mit diesen Symptomen empfinden oft Teile ihres Körpers oder Körperfunktionen als überflüssig. Sie sehen ihren eigenen Körper als behindert, realisieren aber das dies nicht der Wahrheit entspricht. Psychisch haben sie jedoch trotzdem die Mentalität eines Behinderten adaptiert.

Hier kann auch oft der Wunsch entstehen sich Körperteile amputieren zu lassen, das Rückenmark zu durchtrennen, sich zu blenden zu lassen oder die Trommelfelle zu durchboren um Taubheit zu erlangen. So versuchen sie ihren Körper mit ihren seelischen Empfindungen (wie etwa denen eines Querschnittsgelähmten, Blinden, Tauben, Stummen…) in Einklang zu bringen.

Da jedoch solche Operationen nicht von Ärzten durchgeführt werden, versuchen sich Menschen die unter BIID leiden oft selbst zu helfen in dem sie die Amputationen oder andere Veränderungen an ihrem Körper mittels Messern, Gewehren und anderen Utensilien durchführen.

Auch bezeichnen sich diese Personen als sogenannte „Wannabes“ (engl. want-to-be). Hier finden sich auch „Pretender“ darunter. Sie versuchen sich mit Hilfe von Prothesen, Krücken, Rollstühlen etc. ihre Behinderungen vorzutäuschen um ein Gefühl der körperlichen Behinderung zu erzeugen um sich ihrem seelischen Innenleben besser anpassen zu können. Damit kann im schlimmsten Fall auch bei Betroffenen die Identitätsentwicklung beeinträchtigt werden.

Die Ursache für diese Anomalie – wenn ich das jetzt mal so nennen darf –  ist bis lang unerklärt. Es wird aber vermutet das dieses Bedürfnis nach solch radikaler Körperveränderung auf Veränderungen funktioneller Hirnfunktionen, und/oder Störungen des Körperschemas im Kindesalter zurück zuführen ist. Bei einem Großteil der Betroffenen lässt sich der Beginn dieser – ich will nicht sagen Krankheit – sagen wir Probleme – schon im Jugendalter nachweisen.

Eine Theraphy dafür gibt es nicht. Es kann nur versucht werden mit psychiatrischer und verhaltenstherapeutischer Unterstützung eine Stabilisierung des Zustandes zu erreichen.

Oh, ich ahne schon das ein paar von euch mit offenen Mündern vor dem Bildschirm sitzen. Mir erging es nicht anders. Und je mehr ich las, desto weiter klappte mein Kiefer nach unten. Wie immer greife ich niemanden direkt an, aber Apotemnophilie und BIID kann selbst ich kein Verständnis entgegenbringen. Es tut mir leid.

Amelotatismus hat wenigstens noch den möglichen Positiven Effekt für Behinderte einen liebenden Partner zu finden. …Aber ansonsten finde ich diese Sache schon etwas hardcore um es noch gelinde auszudrücken. Besonders der Wunsch nach Blindheit stößt bei mir als Kontaktlinsenträger auf Unverständnis, da ich alles dafür geben würde – zwar nicht unbedingt Körperteile, aber viel – um ohne die Dinger auszukommen.

Na gut, ich habe euch versprochen euch zu schockieren und ich hoffe es ist mir damit auch gelungen. Wichtig war mir hierbei auch das solche Dinge nicht einfach totgeschwiegen werden. Sicherlich gibt es angenehmere Unterhaltungsthemen, aber auch dieses ist ein Teil der menschlichen Kultur.

Ich verabschiede mich und lasse euch nun mit euren Gedanken alleine. Macht euch ein Bild, was ihr davon haltet. Ich freue mich über Feedbacks zu Post und Thema, aber – das wisst ihr ja;)

 Gute Nacht,

SVdL

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8 Kommentare zu “Fetisch: Amelotatismus/Apotemnophilie/BIID”

  1. Amelotatismus finde ich eigentlich nicht schlimmer als andere Fetische auch, solange beide mit dieser Rolle einverstanden sind, ist eigentlich alles gut. Die Befürchtung von Seiten der Invaliden sind berechtigt, aber ich meine irgendwann würde man es ja merken und kann sich von der Person distanzieren. Auch wenn es weh tut.

    Bei Amelotatismus tue ich mich auch schwer das zu verstehen, aber ich denke es muss versucht werden diese Leute zu stabilisieren, denn nicht alles kann man durch Prothesen simulieren. Mir fällt da spontan der phantomschmerz nach Amputationen ein, der unter Umständen ja nicht aufhört.

    Geschockt hast du mich jetzt nicht, beides ist mir schon bekannt^^ Ist aber gut zu wissen, dass es auch andere Leute gibt die sich an Tabuthemen wagen.

    Liebe Grüsse

  2. ich finde die gegenüberstelllung schon etwas makaber:

    die einen wollen keine gliedmaßen (schmucklos ausgedrückt)

    die anderen wollen abgetrennte gliedmaßen zurück (jedenfalls gehe ich davon aus wenn jem. zb bei einem unfall einen arm/bein etc. verliert)

    und wiederrum andere wollen manschen mit fehlenden gliedern…


    -.-

  3. „wie immer greife ich niemanden direkt an, aber Apotemnophilie und BIID kann selbst ich kein Verständnis entgegenbringen. Es tut mir leid.“

    Es gibt auch Betroffene, die unter dem Tourette-Syndrom leiden, und anstößige Wörter herausschreien. Die haben sich das sicher nicht ausgesucht. Keiner wird sich BIID ausgesucht haben, oder eine Vorliebe für Menschen mit fehlenden Gliedmaßen. Was können diese Leute dafür? Man muss es ja nicht toll finden, aber ein bisschen Toleranz entgegenbringen kann man schon.

    Ansonsten bin ich bei Atanua.

  4. Meine Rege, Toleranz sollte schon sein. Ich kann es mir auch schwer vorstellen das jemand den Wunsch hegt einen Arm oder ein Bein loszuwerden. Oder auch eine spezielle Vorliebe für Leute zu hegen denen Gliedmaßen fehlen.

    Auf der anderen Seite denke ich, ist es oft schwer für Leute „mit fehlenden Gliedmaßen“ einen Partner zu finden, wobei es gut ist das manche Leute „darauf stehen“, salopp ausgedrückt. Problematisch wird es allerdings wenn eben solche jemand nur geliebt wird weil ihm etwas fehlst… es ist irgendwo eine verzwickte Situation für die Betroffenen.

    Zum Thema BIID möchte ich noch sagen das es wohl einerseits für einen Arzt ethisch nicht vertretbar sein wird jemandem einen gesunden Arm zb abzutrennen, andererseits wäre dies der bessere Weg, bevor die betroffene Person selbst Hand anlegt.
    Aud jeden Fall ein heikles Thema. Man sollte aber auf keinen Fall solche Fetische/Störungen oder wie man es auch nennen will einfach als krank abtun – was du ja auch nicht getan hast, nicht das du das falsch verstehst;)

  5. Also wenn ich das richtig verstehe, fällt da nicht die mehrfach anzutreffende geistige Behinderung bei so manchen Menschen des männlichen Geschlechts hinein. Obwohl man dort auch oft annehmen könnte das bei dem was diese SoloFrauen so entgegenbringen, sich jemals einer Hirnamputation hingegeben zu haben.

    Aber nein ganz im Ernst, dieser „Fetisch“ schockt mich jetzt eigentlich weniger, auch wenn man es schon als etwas krankhaft definieren könnte sich etwas amputieren zu lassen nur um die sexuelle Attraktivität zu erhöhen.

    Wenn das wer für sich selber machen lassen will, ja mei solls diese Person halt machen, aber hier in Deutschland wirds sicherlich keine Instanz geben wo man simpel hingehen kann, um sich n Stück wegschneiden zu lassen. In England siehts da vielleicht anders aus.

    Ich denke krankhaft wirds dann wenn wer fetischistische Gelüste dabei hat sich beim Partner zu wünschen, das diese/r ihm/ihr zuliebe sich immer wieder was amputieren lässt.

    Man weiss ja nie wo derartige Neigungen hinführen, im seltensten Fall dahingehend das man den Fetisch aufgibt, eher wohl öfteren Fall, das man immer mehr davon haben will, in dem Fall dann einfach weniger am Partner haben will, Körperteile bezogen.

    LG
    s29

  6. von der seite habe ich das thema eigentlich noch nie betrachtet, also ich meine das man ‚immer mehr‘ weg haben will. dachte das so eher in die richtung wie sich eine frau mit kleinen brüsten unwohl fühlt und dann nach ner op zufrieden ist, das jemand ’nur‘ seinen arm loswerden will.

    aber ich kann mir vorstellen das es zur sucht mutieren könnte wie andere körpermodifikationsarten (piercing, tattoos…) nur das das eben dann schon eine wirklich krankhafte sucht wäre mit verheerenden folgen. irgendwann wär einfach nix mehr zum wegmachen da.

    ich darf garnicht daran denken das ein amelotatist seinen partner zu weiteren amputationen anstacheln könnte. brrr… man tut ja oft viel aus liebe… sich schönheitsops unterziehen, haare färben, gewohnheiten ändern… und man sagt oft „dafür würd ich einen arm (oder sonstwas geben)… aber in realität mir extremitäten abnehmen lassen um meinen partner glücklich zu machen… das wär wirklich krank.
    wobei ich hab mal von einem paar gelesen, die sich zum 5 jährigen zum zeichen ihrer liebe gegenseitig (zeitgleich) das vorderste glied ihres zeigefingers ABGEBISSEN haben und aus den knöcheln einen anhänger für den partner gemacht haben. ihr plan war zum 10 jährigen das nächste glied und zum 20ten der rest vom zeigefinger.
    da gruselt es mich zwar auch (hab bilder gesehen) aber wenigstens sind sie beide auf einer wellenlänge und gleichberechtigt.

    und irgendwo hast auch schon im ersten absatz recht: manche leute fangen wohl eher unauffällig an und lassen sich das hirn entfernen;) damit meine ich jetzt aber leute im allgemeinen und nicht unbedingt amelotatisten oder leute mit biid;)

  7. Zu diesem Thema fällt mir spontan die französische Künstlerin „Orlan“ ein… Im Rahmen ihrer Kunst lässt sie sich bei vollem Bewusstsein bzw. mit örtlicher Betäubung operieren. Es hat, denke ich, nichts damit zu tun, dass man intolerant ist oder Menschen nicht akzeptiert, wenn man von so etwas schockiert ist, denn Operationen und Amputationen sind im Normalfall nichts, was ein Mensch als wünschenswert erachtet, sondern medizinische Eingriffe, die das Leben verändern oder retten sollen. Eine Haarfarbe wäscht sich aus, ein Piercing kann man wieder entfernen, wenn es nicht mehr gefällt, aber ein abgetrenntes Körperteil ist einfach nicht mehr zurückzuholen.
    Mich hat Orlans Aussage „Jetzt kann ich meinen eigenen Körper geöffnet sehen, ohne dabei zu leiden. Ich will mich bis in die Tiefe der Eingeweide sehen, ein neues Spiegelstadium.“ geschockt und ich frage mich, was einen Menschen zu so etwas bewegt, denn das geht doch über den normalen Körperkult hinaus.

  8. Hallöchen,
    ich (weiblich, fast 21) bin grade beim Googlen zu diesem Thema auf dieser Seite gelandet und fand es sehr interessant.
    Zunächst einmal finde ich den Haupttext und auch die Kommentare und verschiedenen Sichtweisen sehr interessant.

    Ich persönlich kann mich leider mit den Symptomatiken identifizieren. Ich persönlich meine damit jedoch nicht das amputieren von Gliedmaßen.
    Schon seit ich denken kann, habe ich zu Menschen mit Behinderungen (Blind, Lähmung, Taub, Anfälle, u.ä.) ein gestörtes Verhältnis. Ich habe es schon immer gemerkt, es war mir peinlich und verstehen kann ich es bis heute nicht so recht.
    Mittlerweile denke ich, dass es vielleicht von dem unerfüllten Wunsch nach Aufmerksamkeit und bedingungsloser Liebe kommt.

    Ich habe extrem (finde ich von mir selber) kranke Gedanken/Fantasien in denen ich mir vorstelle, dass ich eine dieser oben genannten Behinderungen hätte. Wenn ich daran denke, Betroffene draußen, im TV oder gar nur auf einem Bild sehe erregt mich das.
    Das wiederum belastet mich und ich schäme mich vor mir selber.
    Manchmal träume ich sogar von einer eigenen Behinderung. Ich sehe wie man sich um mich kümmert und das macht mich „verrückt“ -um es mal so zu nennen-.
    Schon früher habe ich immer in meine Lampe geguckt in der Hoffnung zu erblinden. Denn davor wurde man ja immer von den Eltern gewarnt. Trotz Laserpointer etc. hat es jedoch nicht geklappt.
    Sogar einen Rollstuhl und Krücken besitze ich um es noch besser nachempfinden zu können. Sogar einmal draußen war ich mit beidem. Habe ich mich danach jedoch nicht mehr getraut. Ich bin ein ehrlicher Mensch und kann nicht Lügen, bzw. etwas vortäuschen, das ich nicht habe. Dennoch ist mein, mich selber ekelnder, Wunsch danach sehr groß.
    Ich würde es zu gerne los werden oder wenigstens wen kennen lernen der damit zurecht kommt..

    Es ist mir verständlich, dass Außenstehende dafür kein Verständnis haben – ich selbst finde es suspekt von mir selber. Ich kann euch sagen, es ist nicht leicht und ich leide darunter, weil ich das nicht empfinden will.

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